Standpunkt.

Seit Ende 2015 bin ich Kolumnist im "Frutigländer". Die Regionalzeitung für das Kander- und Engstligental mit den Tourismusorten Adelboden, Aeschi, Frutigen, Kandersteg und Reichenbach-Kiental erscheint zwei Mal in der Woche.

 





Bahn-Information: Verbaler Verdruss

(24. April 2015) Das Mitteilungsbedürfnis der SBB an Bord von Zügen und in Bahnhöfen hat erschreckende Ausmasse angenommen:

  • Vor der Ankunft in Luzern mit einem IR aus Bern werden in vier Sprachen die Anschlüsse heruntergeleiert mit allen Zwischenhalten nach Engelberg, Richtung Brünig, über den Gotthard sowie nach Zürich und Zürich Flughafen.
  • Bei Ankunft in Bern berieselt der Lautsprecher die Kundinnen und Kunden auch mit Stopps auf der RBS-Strecke nach Solothurn – als ob je ein Unkundiger diese Umsteigebeziehung benützen würde.
  • Im ICE von Interlaken nach Berlin erfährt man kurz vor Basel SBB unter vielen anderen Anschlüssen auch, dass es einen solchen nach Zürich Flughafen gibt – ein Routing, das aus Bern, Olten oder Liestal wohl noch nie jemand eingeschlagen hat.

Die Ansagen mit dem Hinweis, man erreiche das Ziel rechtzeitig, sind mit Vorsicht zu geniessen. Das mag zwar im Moment der Durchsage stimmen, aber wie oft steht dann der Zug in Bern auf der Lorrainebrücke oder bei der Einfahrt in Zürich vor geschlossenem Signal, weil das vorgesehene Gleis noch nicht frei ist.


Was aber fehlt, sind Anzeigen auf den Perrons, die mich über die oft kurzen Anschlüsse auf S-Bahnen orientieren, ohne dass ich zuerst in die Unterführung absteigen oder den Generalanzeiger in der Haupthalle konsultieren muss.

 

Der „verbale Durchfall“ entstammt einem Schreibtischtäter-Übereifer. Alles überflüssige Palaver stumpft ab. Das birgt die Gefahr, dass man bei Durchsagen im Fall von Störungen nicht hinhört oder dem Gesagten keinen Glauben mehr schenkt.



Nachtzüge sind ein emotionales Geschäft

(12. Februar 2015) Der Anfang des Endes der Nachtzüge von CityNightLine läutete die Deutsche Bahn am 29. November 2007 in Berlin ein:

Da galt es Abschied zu nehmen von den nachtblauen Waggons und dem milde lächelnden Mann im Mond. Fortan galt es, dem Konzerndesign (und damals der Börsengängikeit) möglichst nahe zu kommen. Damit auch in Paris, Kopenhagen, Prag und Zürich jedem Fahrgast klar ist, wer hinter dem Angebot steckt.


Vorbild Schottland

Eine der erfreulichen Ausnahmen im Nachtreiseangebot auf der Schiene in Europa macht der von Sonntag bis Freitag verkehrende Caledonian Sleeper - mit 16 Wagen der längste Fernreisezug Europas. Er verbindet London Euston mit Flügelzügen nach den Endstationen Fort William im westlichen Schottland, die Highland-Kapitale Inverness und Aberdeen. Er führt Schlaf- und Sitzwagen sowie einen Lounge Car. Hier geht jede Nacht die Post ab mit gepflegten Snacks, feinen Weinen und Single Malts.

Der Zug hat Zukunft: Am 28. Mai 2014 gab Transport for Scotland bekannt, dass 72 state-of-the-art Waggons im Wert von über £100 Mio. bestellt sind.

A fleet of brand new Sleeper trains will bring benefits for businesses the length and breadth of Scotland.

The 72 new state-of-the-art carriages, making up four new trains and representing investment of more than £100million, will transform the comfort of sleeper travel. Passengers in London will step into Scotland as they board the train. The new catering will showcase Scottish produce to benefit firms from Shetland to Stranraer and Stornoway to Stonehaven.

- See more at: http://www.transportscotland.gov.uk/news/exciting-new-sleeper-contract-unveiled#sthash.7zai9n2O.dpuf

A fleet of brand new Sleeper trains will bring benefits for businesses the length and breadth of Scotland.

The 72 new state-of-the-art carriages, making up four new trains and representing investment of more than £100million, will transform the comfort of sleeper travel. Passengers in London will step into Scotland as they board the train. The new catering will showcase Scottish produce to benefit firms from Shetland to Stranraer and Stornoway to Stonehaven.

- See more at: http://www.transportscotland.gov.uk/news/exciting-new-sleeper-contract-unveiled#sthash.7zai9n2O.dpuf

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A fleet of brand new Sleeper trains will bring benefits for businesses the length and breadth of Scotland.

The 72 new state-of-the-art carriages, making up four new trains and representing investment of more than £100million, will transform the comfort of sleeper travel. Passengers in London will step into Scotland as they board the train. The new catering will showcase Scottish produce to benefit firms from Shetland to Stranraer and Stornoway to Stonehaven.

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Von da an ging's bergab:

  • Kontinuierliches Ausdünnen des Streckennetzes
  • Aufheben des Crew- und Marketingstandorts Zürich
  • Einstellen der Speisewagen
  • Abstellen der Doppelstock-Schlafwagen

Investitionen gibt es keine mehr. Entsprechend unattraktiv sehen die Kompositionen mittlerweile aus - wahrlich keine einladende und vertrauenserweckende Ansicht auf eine sichere und bequeme Nacht in einem sauberen Zug.


Night Riviera Sleeper

Zwischen London Paddington und Penzance im Südwesten Englands fährt seit einigen Jahren wieder sechs mal die Woche der Night Riviara. Er bietet ein vergleichbares Angebot wie der Caledonian Sleeper.


Warum der Abstieg des Nachtreisezugs?

 

Hochgeschwindigkeitsangebote der Bahnen und der Erfolg der Billigpreis-Fluggesellschaften (und bald nun auch der Fernreisebusse) sind die Argumente der Bahnen.

 

Dabei schafft es kein noch so früher Flieger seine Passagiere rechtzeitig am Morgen für eine Sitzung um 9 Uhr ins Stadtzentrum zu befördern. Kein anderes Transportmittel ermöglicht seinen Gästen ein vergleichbares Reiseerlebnis. Doch dieses muss gepflegt sein und werden. Dafür braucht es das feu sacré des Managements und der Mitarbeitenden.

 

Denn Nachtreisen sind zuerst eine emotionale Sache und erst dann ein Geschäft. Das passt heute nicht mehr in die "Business-Modelle" der Bahn-Konzernchefs. Die Renaissance des Nachtzugs im kontinentalen Europa liegt in weiter Ferne - wenn überhaupt.


Rettet den Nachtzug heisst eine Petition von umverkehR für eine neue Nachtzugstrategie.



Überstrapazierte Qualität

(22. Januar 2015) Der Frankenstärke sei mit mehr Qualität zu begegnen. So tönt es aus den Direktionsetagen der Tourismusindustrie. Was das konkret bedeutet, verrät keiner der angefragten Profis.





Kürzlich fuhr ich mit der Gondelbahn auf den Rinderberg ob Zweisimmen. Oben angekommen, nimmt ein Mitarbeiter von Gstaad Mountain Rides meine Skis aus dem Ständer und reicht sie mir mit einem freundlichen Morgengruss - eine Première! An der Talstation der gleichen Bergbahn rutschen die Fahrgäste mit den klobigen Skischuhen auf der vereisten, steilen Rampe aus. Das ist jeden Winter so, seit ich vor über fünfzig Jahren Skifahren lernte.

Details entscheiden über die Qualität von Freizeit und Ferien. Die überraschenden Erlebnisse erhöhen den Genuss. Sie bleiben im Gedächnis haften und führen zur positiven (und kostenlosen) Mund-zu-Mund-Propaganda.

 

Meine Empfehlung an die Tourismusverantwortlichen: Verstecken Sie sich nicht länger hinter ihren Bildschirmen! Machen sie sich oft und regelmässig mit allen Sinnen an der Gästefront ein Bild von der Angebotsqualität. Investieren sie in die Detailpflege. Dort erzielen sie die höchste Rendite.



Der Gastkommentar ist erschienen in der Deutschen-Verkehrszeitung vom 9. September 2014:

 

Wer mehr Verkehre auf die Schiene haben will, muss horizontale Umschlagsysteme fördern


Das Potenzial ist horizontal

Die Verkehrsverlagerung durch die Schweizer Alpen harzt. Die Ende 2016 in Betrieb gehende Flachbahn durch den Gotthard-Basistunnel zu den grossen Terminals in Norditalien und der Ausbau des 4-Meter Korridors schaffen zwar bessere Voraussetzungen für eine Steigerung der Strassentransporte auf der Schiene. Doch woher sollen die neuen Sendungen kommen?

Einerseits vom stetig wachsenden Containeraufkommen der in den Häfen anlandenden Hochseeschiffe. Anderseits? Das Potenzial der vertikal verladbaren Wechselbrücken und Sattelauflieger im alpenquerenden Verkehr wird bereits heute nahezu vollständig von den traditionellen Operateuren des unbegleiteten kombinierten Verkehrs (UKV) abgeschöpft. Die Urner Kantonspolizei, die alle Strassenfahrzeuge auf der Gotthardroute zählt, stellt für den internationalen Transitverkehr fest: Der Anteil der vertikal verladbaren Strassenfahrzeuge beträgt 6% (Zählung Juni 2014). Alle andern eignen sich aufgrund ihrer Konstruktion nicht für den Verlad per Kran, Reach Stacker oder Straddle Carrier, sind also nur horizontal umschlagbar.

Für rund eine Milliarde Franken rüstet die Schweiz nun die Zulaufstrecken auf Eckhöhe 4-Meter auf. Dass dies nicht bereits im Rahmen der Erstellung der Neuen Alpentransversalen NEAT geschehen ist, liegt an einer Fehleinschätzung aus den 90er Jahren. Damals glaubten die UKV-Operateure (und in der Folge die Politik), die Strassenlogistik schwenke auf Wechselbrücken und kranbare Sattelauflieger um, für die auch das kleine 3,84-Meter Profil genügen werde. Der Markt hat sich jedoch anders entwickelt: Die grossen europäischen Strassenfahrzeughersteller produzieren heute zu über 95% Sattelauflieger mit 4 Meter Eckhöhe, die sich nicht vertikal verladen lassen.


... den ganzen Artikel finden Sie hier.

Testfahrt von zwei CargoBeamer-Niederflurtragwagen mit nichtkranbaren Sattelaufliegern am Gotthard bei Ausfahrt aus dem Wattingertunnel. (Foto: BLS Cargo)

Der Prototyp des neuen Niederflurtragwagens LOHR UIC nimmt Sattelauflieger mit einer Eckhöhe von 4 Meter auf und kann dank seiner tiefgelegten Wanne auf der Gotthardachse mit einen Profil von nur 3,84 Meter noch vor des Ausbaus des 4-Meter-Korridors verkehren. (Foto: Sylvain Meillasson)


In letzter Minute: Eine dritte Horizontal-Verladetechnik für Sattelauflieger steht vor der Erprobung: www.nikrasa.eu